Noch ungenügend.

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Ich mochte das Bild. Die Portraitierte allerdings fand es zwar ganz nett, wollte es aber nicht wirklich haben. Ich adressierte die Schwachstelle aus meiner Sicht:
– OK, die Hände sind wirklich nicht gut, das ist nicht meine Stärke.
– Nein, schreibt sie zurück, nicht die Hände, die gehen schon.
– Habe ich Dein Gesicht nicht getroffen?
– Nein, im Gegenteil. Das passt richtig gut. Aber… das Bild ist mir fast zu realistisch.
– Hättest Du Dich gerne etwas schlanker gesehen? Dafür bin ich nicht der Richtige.
– Nein, schreibt sie zurück, ich möchte mich noch runder dicker breiter sehen. Ich träume davon und weiß, dass es im wirklichen Leben nicht geht. Also: Zweiter Versuch – und bitte richtig rund!

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Kristina die Breite.

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Ich kann anziehen, was ich will: Meine extrabreiten Formen sieht jeder. Früher war es mir wurst, jetzt freut es mich fast… Mir macht es Spaß, Mode zu tragen, die betont und nichts verhüllt. Ist das ein Minirock oder ein langes T-Shirt? Egal, mir gefällt es! Jetzt habe ich die Haare auch noch ganz kurz – ein schöner Kontrast zu meiner sonstigen Üppigkeit. Erst haben sie mich damit versucht zu mobben, jetzt ist es mein Lieblingsspitznamen geworden: Kristina, die Breite.

Pendlerschicksal

1409_amzug1Er sah sie fast jede Woche am Bahnhof, beim Warten auf den Fernzug nach Amsterdam. Eine ungewöhnliche Erscheinung, so groß und breit, so mächtig und präsent. Sie telefonierte oft mit ihrem kleinen Handy und war immer modisch und gut gekleidet.

Dann war er zwei Jahre im Ausland, eine gute Zeit. Kontextabhängige Erinnerung: Als er das nach den Jahren in der Fremde zum ersten Mal wieder wie früher zum Bahnhof fuhr, gleicher Fernzug wie damals, gleiche Routine, nur in neuer Rolle, da dachte er erstmals wieder an sie: Ob es sie wohl noch gibt?

1409_amzug2Und wie es sie noch gab! — Sie war noch viel mächtiger geworden, breiter, richtiggehend megarund. Er konnte die Augen  nicht von ihr wenden. Der Zufall wollte es, dass sie sich im Zug gegenüber saßen, er realisierte fasziniert, dass sie fast zwei Plätze beanspruchte. Und sie sprach ihn an: „Sie sind wieder da. Ich habe Sie ja lange nicht mehr gesehen…“.

Ab da verfiel er Ihrer Präsenz und Macht. Und Sie verfiel seinen Koch- und Verführungskünsten.

 

 

Sofabelastung

Ein gemütliches Sofa. Eine üppige, halbnackte, runde Frau, die sich auf das Sofa setzt und mir ein Selfie ihrer Pracht zusendet. Ich zeichne ein erstes Bildchen, nahezu naturnah. Sie schreibt mir, dass sie bald vier Zentner wiegt und sich sehr mag, so wie sie ist.

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Sie freut sich über das Bild, das ich ihr zusende. Und mich juckt es, etwas weiter zu träumen. Das Sofa noch mehr zu belasten. Mir vorzustellen, was im realen Leben wohl ein Traum bleibt: Sie würde weiter schlemmen, zunehmen, genießen. So könnte das dann aussehen, das überlastete Sofa… Weiterlesen