Oh, es wird eng…

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„Oh, es wird eng“, dachte sie, als sie zum ersten Mal im elegantem Sessel saß, den ihr Freund gekauft hatte. Aber von Anfang an:

Die Lieferung hatte auf sich warten lassen. Ein halbes Jahr mussten sie sich gedulden, bis das Designerstück aus Italien endlich eintraf. Schon damals im Laden hatte ihr Freund sie geneckt: „Na, da hast du aber gerade so Platz.“ Und er hatte Recht: Im Sommer passte kein Blatt Papier zwischen den Sessel und ihre Hüften.
Aber sie wollte diesen Sessel unbedingt. Notfalls würde sie eben auf das übliche Dritte Stück Kuchen am Nachmittag verzichten …

Nach der Bestellung war dann der Sessel bald vergessen. Der Sommer war heiß, sie genoss regelmäßig reichhaltiges Eis, dann kam der Herbst und der Winter: Fondue, Plätzchen, deftige Küche. All diese Gaumenfreuden hinterließen eine süße Erinnerung, vor allem an ihren Hüften und ihrem Po.

Eines Tages dann klingelte es an der Tür: Der Sessel war da. Gemeinsam packten sie ihn aus, sie konnte es kaum erwarten, ihn auszuprobieren. „Oh, es wird eng“, dachte sie sich, als sie sich vorsichtig niederließ.


Und das erste Gefühl hatte sie nicht getäuscht: War im Sommer noch gerade so Platz für ihr ausladendes Hinterteil gewesen, konnte der Sessel nun ihre üppigen Formen nicht mehr fassen. Mit dem etwas unbehaglichen, aber auch frivolen Gefühl, ob die Beine und Seiten des Möbels ihren Dimensionen überhaupt standhalten würde, versuchte sie ihr Hinterteil weiter in den Sessel hinein zu bugsieren. Doch es führte kein Weg dahin: Vorne, auf der Seite, hinten: überall ragte der Speck dieses Sommers über den Sitz hinaus.
Ihr Freund genoss den Anblick dieser überbordenden Üppigkeit: Wie du so aus dem Sessel quillst, erinnerst du mich an ein süßes Soufflée! Zum Anbeißen… und strich ihr liebevoll über den Po.
Dann half er ihr, sich aus diesen beengten Sitzverhältnissen zu befreien und sie ließ sich bequem auf ihren Stammplatz auf der Couch fallen, wo sich ihre Rundungen frei entfalten konnten.

Sie beschlossen, den Sessel in der Diele als großzügige Ablage für ihre Einkäufe zu nutzen.

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(Text zum Bild von einer lieben und tollen Frau! Danke, S.)

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